
Inspired by nature- Inspiriert durch die Natur
Der Natur eine Stimme, im Originalton; Gedanken zum fünften
Jahr als Schwendiseewart
Der Natur eine Stimme. Was würde der Schwendisee sagen,
wenn er eine Stimme hätte. Das Moor, der Wald, der Steg, die Ringstrasse, ja,
der hintere See; was wäre ihre Rede an uns.
An uns, die Besucher; an uns, die wir da oben wohnen; an
uns, die wir nach oben fahren, um zu entspannen; an uns, die wir da oben
wirtschaften; an uns, die wir da oben einem Hobby nachgehen. Was wäre die Rede
des Naturschutzjuwels Schwendisee?
Nehmen wir zuerst den prominentesten Vertreter. Ein Jahr
ist es her, seit das Klanghaus ihren Betrieb aufgenommen hat. Musiker, Kursteilnehmer,
Konzertbesucher, man sieht sie über die vordere Schwendistrasse laufen, im
Klanghaus verschwinden, am Hüpfwasser beim Stall stehen, oder sich im Gelände
verteilen.
Der O-Ton müsste hier lauten:
Liebe Kulturbegeisterte, das Gebäude soll mich ersetzen?
Der ich das Echo aus dem Felsenrund unterhalb des Rückens zur Freude aller
zurück in die Schwendi werfe? Guter Versuch, netter Versuch. Aber so war das
schon immer. Der Mensch versucht die Natur zu imitieren. Immerhin beehren mich
einige Künstler und singen auch auf meiner Unterlage, der Wiese, oder bei den
Feuerstellen. So kann ich zeigen, wie ich einem Ton eine natürliche Umgebung
biete. Und wenn sie lernen, viel Zeit mit mir zu verbringen, werden sie den
verborgenen Sound der Natur erleben. Anstatt ihn mit diesem grossen Bau
zu erzeugen.
Was sagt die Natur im O-Ton über die Fischer?
Oh, ja! Es gibt sie. Die kein Gebäude errichten, um bei mir
zu sein. Sie gehen zum Seeufer, zum Schilf; sie kommen hier an den Schwendisee,
um das Moor zu erleben. Mein weiches Moos, die Gräser, die hier wachsen, das
halbvermoderte Holz des nahen Waldes, das der Wind in den weichen seenahen Untergrund
getrieben hat. Aber was ist das? Sie schützen sich mit diesen Fusseinfassungen.
Sie können mich nicht spüren. Ärgern sich, wenn da Wasser eindringt. Manche
stehen auf dem Steg. So kann ich an windarmen Tagen mit einer spiegelglatten
Wasseroberfläche aufwarten. Die Ruhe, die ich als See generiere, vermitteln. Oh
ja, sie werden immer wieder kommen; auch wenn sie ihre Füsse schützen. Ich gebe
ihnen Frieden. Und manchmal auch aus der tiefe meiner Fülle, nämlich einen
Fisch.
Was sagt die Natur im O-Ton über die religiösen?
Nicht ganz im Klaren bin ich über jene Leute, die auf dem
Steg ihren Körper verrenken. Oder die im Wald einen Baum umarmen. Ich mein, was
erwarten sie? Oder vielmehr, von wem erwarten sie etwas? Ich bin da nicht ganz
sicher, was ich da geben kann. Ist ihnen meine Einfachheit zu wenig, dass sie
Kraft aus einer Philosophie schöpfen, statt aus meiner wilden ruhigen Schönheit.
Denken die an mich, oder an eine mystische Gottheit? Ich weiss es nicht und rätsle.
Auch bei den Umarmern. Die Borke soll was vermitteln? Und dann kommen sie mit
den Armen nicht mal um den ganzen Baum. Das versteh ich nicht. Naja, wenn sie
dabei glücklich werden.
Gut. Und was sagt die Natur im O-Ton über die Sportler?
Dann gibt’s noch die, die im Eilzugtempo durch meine Eingeweide
rennen, oder fahren. Mir bleibt gerade noch Zeit, ihnen einen Hauch meines Lebens
hinterherzuwerfen. Schon sind sie durch. Sie verbringen nicht wirklich Zeit
hier. Sie strengen sich an, mich so rasch wie möglich zu besiegen und wieder zu
verlassen. Ich habe aufgehört, mich über sie zu beschweren. Manchmal, wenn sie
stürzen, kann ich als Mutter Natur meine Hände nach ihnen ausstrecken. Durch
die Zeit, die sie dann gewinnen, vermitteln, dass ich gemacht bin, dass der
Mensch verweilt. Nur so kann ich es anfangen, ihnen einen Sinn zu vermitteln.
Die Natur im O-Ton über Schwimmer
Dann gibt’s noch die, die mich, den See, durchpflügen, um
auf die in mir verankerte Plattform zu gelangen. Oder sie schwimmen mit einem
mir unbekannten Objekt um den See. Ihnen kann ich die erfrischende Kraft des
Wassers vermitteln. Indem ich den Körper umspüle, ziehe ich den Fokus ihrer Gedanken
auf mich. Sie müssen sich notgedrungen um mich kümmern. Um die Feuchtigkeit,
die Temperatur. Wenn sie aus dem Wasser steigen, fühlen sie sich erholt, ich
kann es sehen. Das erfreut mich. Und es spiegelt ein Grundsatz meines Wesens. Wer
sich überwindet, um mich zu erleben, den beschenke ich mit Lebensfreude.
Der Natur O-Ton über die Grillfreunde
Dann erlebe ich hautnah immer wieder die, die um diese
Festungen aus einem Element stehen, das ich nicht kenne. Bald schon steigt eine
Flamme daraus empor. Und bald schon ein Geruch von etwas, das sie von mir, der
Natur, haben. Ich mag nicht genauer hinsehen. Aber ich glaube, es ist der
Geruch von totem Tier. Und manchmal auch der zu Dampf gewordene Saft von irgendwelchen
Sachen aus der Erde, Wurzeln oder so. Sie vergnügen sich an einem Produkt, das
sie hergetragen haben. Stehen herum, machen Lärm, lassen weisse Stoffe im Wald
liegen. Daran hängt ein Geruch, den ich als Mutter Erde nicht erzeugt habe, aber
verdauen muss.
Der Natur O-Ton über den Ranger
Dann kommt an gewissen Tagen, meist bei schönem Wetter,
noch dieser Mann mit dem Kübelchen und der Zange. Er soll doch mal bei Regen
kommen. Da entfaltet sich die Schöpfung, die ich beherberge, auf besonders
intensive Art. Er kann die Elemente bis auf die Haut spüren. Aber ich denke,
auch er durchwandert mich bloss für einen Zweck. In den Jahren seit er hier
ist, hat er gelernt, mehr Zeit bei mir zu verbringen. Ich denke, er spürt immer
besser, wie wichtig dieser Teil der Natur ist. Versucht er mich zu schützen?
Das frage ich mich. So wie er sich benimmt.
Denn eigentlich habe ich Freude, und zwar an jedem Besuch.
Besonders, wenn die Kinder kommen. Für sie habe ich ein ganz besonders grosses
Herz. Sie sollen mich spüren, die Natur am Schwendisee.
Und zum Schluss das Wort an alle. Im O-Ton von mir: Habt
Zeit, wenn ihr kommt. Spaziert, seht, welch geniale Schöpfung ich bin. Ich, das
kleine Naturjuwel Schwendisee.