Dienstag, 7. Juni 2022

Pfingst -Neu- Rosen

 

Mehr als 3000 Kilometer bin ich nun unter den Churfirsten und dem Gamserrugg mit dem E-Bike gefahren. Und die zweite Saison auf dem Klangweg und am Schwendisee hat gerade erst angefangen. Im ganzen eine Strecke, die mich von Zürich an alle Ecken Europas bringen würde. Nach Lissabon sind es zum Beispiel 2128 Kilometer. Natürlich müsste ich den Weg in Etappen zurücklegen, aber ich würde ankommen.

Bild: Die von der Gemeinde bereit gestellte Feuerstelle mit dem neuen Holzhüttli beim Gerstenboden. Sie lädt zum Grillieren und hat immer genug Platz für Holz, das wiederum den Gästen Wärme und Ambiente bietet.

 

Die vielen Kilometer begleitet von Sonne, Regen, Schnee, Wind und Wetter; Helm, Brille, Handschuhe für eine rauschende Talfahrt immer dabei. Von ganz nass bis ganz trocken nach der Arbeit, durchgefrorenen Fingern, quitschenden Reifen, überladenem Anhänger, alles dabei. Die Tiere haben ein Fell oder Federn, ich benütze Schichten richtiger Kleidung.

Dabei war das für den Frieden im Herzen nicht massgebend. Oder die gute Stimmung hat schon in der Früh das Weite gesucht. Der Weg zur Arbeit eine Investition in Geduld. Aber nicht verzagt. An allen Ecken und vor allem an einem unvorhergesehenen Ort lacht erneut das Glück.

Dann wäre da noch die Sache mit dem Wasser, mit dem lebendigen Wasser. 

Sagte eine Person, die ich am Schwendisee traf, was kommt zuerst, Auffahrt oder Pfingsten. Pfingsten sagte ich. Falsch! Natürlich Auffahrt, denn fährt der Herr nicht in den Himmel, kann er auch den Geist nicht geben, den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist überdies in der modernen Schweiz ein Synonym für Abwesenheit. Beispiel? Wenn niemand für etwas verantwortlich gemacht werden kann, kommt oft die halbironische Antwort: Es war der heilige Geist.

Das viele Unterwegs sein, auf dem Klangweg, am Schwendisee, die viele Arbeit draussen hat eine Frage erneut aktiviert. Eine Frage, die sich mir schon in jungen Jahren stellte. Wer stillt diesen unbändigen Durst nach Leben?

Die kräftige Natur belebt die Seele, sie ist ein Geschenk. Dann gibt’s da noch den Durst nach mehr. Und da hab ich den Eindruck, diese irgendwie leere Ecke im Herzen kann nur von einem gefüllt werden: nicht von Religion und Kirche, aber dem Heiligen Geist. Und von etwas, das in der heutigen Gesellschaft an den Rand gedrängt wurde: dem Glauben.

Montag, 9. Mai 2022

Randbemerkung Natur

Frühlingserwachen

Eine Pflanze am Strassenrand durchbricht den Asphalt. Der Frühling ist in den Startlöchern, es hat fertig geapert und es grünt, wenigstens im Tal. Oben in schattigen Mulden, im Wald und auf den Firsten, da hat es noch Schnee.

Bild: Der Asphalt vermag das Keimen nicht zu verhindern

Die Feuerstellen am Schwendisee, der Steg und der Klangweg; sie sind bereit für die Sommersaison. Bereit oder besser gesagt angefangen haben die Abbrucharbeiten am alten Hotel Seegüetli. Die neue Brücke, nicht mal fünzig Meter versetzt, ist fertiggestellt, der Zugang über die alte Brücke gesperrt.

Schaut man von der Mitte der neuen Brücke zur alten, sieht man einen mit Steinquadern erstelleten Bogen. Es ist der Durchgang für den Seebach. Ein kunstvolles Mauerwerk. Beinahe schade, es zu entfernen. Altes weicht neuem. Wobei das neue an Schönheit dem alten nicht das Wasser reicht. Die neue Brücke, ein funktionales Betonwerk.

Nicht so die Natur. Was nachgeschoben wird, hat die gleiche Qualität, wie das, was war. Die Pflanze, so klein sie ist, eine Wurzel am Anfang, etwas, das der Gärtner jätet, hat die Kraft, den Teer zu durchbrechen. Es sucht die Freiheit und kennt nur einen Weg, nach oben. Nach oben an die freie, frische Luft.

Wie der Bergsteiger, mit viel Mühe und Anstrengung aber auch unheimlicher Energie nach oben, auf die Spitze steigt. Oder der Sportler. Er ist erpicht die Leistung zu steigern, bis er oben auf der Rangliste steht. Und der Student. Das Wissen aneignen, bis die Prüfung machbar ist.

Welche Kraft jedoch treibt die Pflanze? Das winzige Gras, ein Hälmchen? Wer gibt ihm die Energie, den Asphalt zu durchbrechen? Zeit für eine philosophische Erörterung. Antworten wären genug. Ein Thema für eine gemütliche Runde unter Freunden.

Es kann aber auch eine Antwort reichen. Es ist der Schöpfer, der allen Dingen Leben einhaucht.

Dienstag, 12. April 2022

April 22: Saisonend Übungslift

Der Winter 21/22 war beinahe perfekt in seiner Ausführung.

Bild: Eine milde Sonne an einem trüben Frühlingstag am Winterende.

 

Durchgehender Betrieb der TBB, der Toggenburger Bergbahnen (Unterwasser und Alt St.Johann), bei guter Schneelage von Anfang Dezember bis Anfang April. Zwei gestrichene Betriebstage, der eine wegen Sturm, der andere wegen fehlender Frequenz, also Besuchern (nur am Übungslift). Sonst durchwegs milde Witterung, Spitzentage und ein März, der sich von seiner besten Seite zeigte.

 

Meine erste Saison am Übungslift. Nach einem Sommer in der neuen Position als Schwendiseewart und Klangwegmacher. Zwei übernommene Teilzeitjobs, während die Pandemie das Land im Griff hatte. Der dritte wäre dann schreiben von Büchern, Artikeln, Texten; damit die Zeit neben Familie und Haushalt auch ganz schön ausgelastet ist. Im wesentlichen immer ein Wechsel des Arbeitsgeräts; von den Rädern auf die Skier und bleibt noch Zeit der Wechsel an den Griffel.

Aber auch ein Wechsel der Farben, von dem Grünbraun auf das Weiss. Von der Regenkleidung des Sommers zur dicken warmen Winteroutdoorwear. Als Angestellter der Bergbahnen im Rhythmus des Arbeitsmodus: Überwachung des Abbügelplatzes im Horenhüttli, Pause und Essen, Anbügeln in der Talstation. Das regelmässige feine Mittagessen im gemütlichen Bergresti Iltios eine weitere bekömmliche Änderung, den der zweite Teilzeitjob brachte.

Sonst als Schwendiseewart und Klangwegmacher so lange am Berg, bis die Arbeit getan ist. Die Pause folgt dann zu Hause.

Die Regelmässigkeit der Arbeitszeit, sie schlägt sich zweimalig nieder: im harmonischen Familienleben und auf die Rippen. Das Arbeiten im Team am Übungslift bringt zudem entgegen dem Soloworkersein viele angenehme Gespräche im Kommandoraum des Lifts. Sie sind wie eine milde Sonne auf verschneiten Hängen.


Nun ist es Ende März. Erneut fällt Schnee, aber auf schon zu warmen Boden. Der Winter neigt sich dem Ende entgegen. Noch blenden die Gipfel im Weiss, die Matten apern und grünen. Erste Arbeiten im von der Schweiz unter Naturschutz gestellten Moor am Schwendisee sind bereits ausgeführt. Der Sturm hat zudem einige Klangbuchstaben demontiert.

Noch hat es hie und da Altschnee, noch fehlen die Kübel, das Holz. Bald jedoch kann die Sommersaison starten. Und der Schwendisee lädt wieder zum chillen, grillen und joggen; als Naherholungsgebiet im oberen Toggenburg.


 

Pfingst -Neu- Rosen

  Mehr als 3000 Kilometer bin ich nun unter den Churfirsten und dem Gamserrugg mit dem E-Bike gefahren. Und die zweite Saison auf dem Klan...